Alpen Gründach 2

Wie baut man ein naturnahes Alpen Gründach? Für den Bau meines Lehmofens war eine Überdachung erforderlich, um den Lehm vor Regen zu schützen. Schade fand ich hierbei, dass wieder ein Stück Boden im Garten versiegelt war. Da kam mir die Idee auf die Lehmofen Überdachungs Konstruktion ein Alpen Gründach zu installieren, um der Natur wieder ein Stück Fläche zurück zu geben.

Bei der Idee für den Bau des Alpen Gründaches ging es mir nicht nur um die tolle Optik, sondern auch um einen ökologischen Nutzen, wie z.B. Lebensräume für mager Standort Pflanzen und Nahrung für Insekten. Die Aufbauhöhe des Pflanzen Substrats gibt vor was auf dem Dach wachsen kann,  wodurch die Auswahl der Pflanzenarten beeinflusst wird. Mein Ziel war es ein Dach mit alpinen Pflanzen zu gestalten, an einem sonnigen Standort mit Süd West Ausrichtung. Außerdem sollte das Pflanzdach relativ flach sein, nur mit leichtem Gefälle, was generell noch in die Kategorie die Flachdächer fällt.

Die Unter Konstruktion / Trägerwerk

Für ein Gründach muss man sicherstellen, dass die Unter Konstruktion sicher, stabil und tragfähig gebaut wird, ansonsten hat man nicht lange Freude am bepflanzten Alpen Gründach. Voraussetzung ist also eine Unterkonstruktion aus massiven Holz Balken (9x9cm – Douglasie) die das Trägerwerk des Dachkastens werden. Diese Balken stecken in ein zementierten Balkenschuhen und werden mit langen Schlosser Schrauben fixiert.

Zu beachten ist weiterhin, dass die Konstruktion ein Gefälle von ungefähr 3-5% aufweisen sollte, deshalb müssen zwei der vier Balken entsprechend dem Gefällegrad kürzer sein.

Auf das Balken Trägerwerk kommt die Auflattung (4x6cm) für den Dachkasten Boden, am besten zwei Mal über Kreuz, damit das Dach auch Maximallasten, wie z.B. bei Schnee, aushalten kann. Das bedeutet, dass die ersten Latten in regelmäßigen Abständen komplett längs über die Konstruktionsbalken befestigt werden und eine zweite Ebene dann quer über die erste Lattung erfolgt.

Später wird der Nut und Feder Rauhspund (10mm dick, damit die Schalung daran verschraubt werden kann), auf den Latten (4x6cm) verschraubt und stellen damit den Boden des Gründachs dar.

So ungefähr habe ich die Dachfläche gebaut, man braucht schon handwerkliche Grundkenntnisse. Schritt für Schritt Anleitungen für Dach Konstruktionen gibt es im Internet jede Menge, die sollte man studieren, sonst hat man keinen Spaß an seinem Gründach. Der Dachboden muss stabil und tragfähig konstruiert werden.

Last

Um ein tragfähiges Konstrukt zu bauen muss man wissen, wieviel Gewicht das Dach tragen soll, um das zu ermitteln bin ich wie folgt vorgegangen:

Die Substrate haben im wassergesättigten Zustand folgende Gewichte:

1cm Blähton nass / m2 wiegt ca. 7kg

1cm Perlit nass / m2 wiegt ca. 4kg

Meine nasse Maximal Last berechne ich also mit dem schwereren Blähton, einfach um sicher zu gehen, mögliches zusätzliches Gewicht (Last) stellen die Pflanzen selbst, die  Deko und Schnee dar, das muss unbedingt bei der Konstruktions Planung berücksichtigt werden.

Substrat Last (nass)
13cm Höhe x 4m2 Fläche x 7kg nasser Blähton = 364kg

Test:

Um in etwa die Last die auf die Konstruktion drückt zu ermitteln, habe ich 100kg Gewicht auf eine Teilfläche von 50x50cm gestellt. Das bedeutet, dass das Dach punktuell auf 0,25m2 100kg Last tragen kann. Das Dach hat den Last Test ohne Probleme bestanden.

Material Liste für Unter Konstruktion:
4x Balkenschuhe 9x9cm
2x 200x9x9cm Balken
2x 195x9x9cm Balken
4x 140x9x9cm Balken
8x 200x9x6cm Latten
ca. 4qm Nut und Feder Rauhspund
2x 25kg Zementmörtel
rostfreie Winkel
Schrauben

Erste Schutzschicht

Als erste Schutzschicht (1. Schicht) kommt eine dünne Bitumen Dachpappe auf das Holzdach, die muss mit wenigen Dachpappe Nägeln befestigt werden, damit sie nicht verrutscht. Aus Gewichtsgründen kann man auf die Dachpappe verzichten.

Eine Material Liste für die Schutzschichten folgt weiter unten in diesem Beitrag.

Dachkasten

Nachdem die Dachpappe verlegt ist, erfolgt die Aufschalung für den Dachkasten mit einer Traufkante für den Wasserabfluss. Vorher sollte gut überlegt werden, wie hoch das “Beet” und damit der Dachkasten werden soll. Eine gute Pflanzen Kultivierung setzt eine Substrat Höhe von mindestens 12cm vorraus.
Daraus folgt, dass nur drei der vier Dachkasten Bretter 14,5cm hoch sind, bei einer Länge von ca. 2m. Die Maße des Traufbalkens siehe weiter unten.

Material für Schalung / Aufkantung:
3x (200cm x 14,5cm x 1,5cm) Holz Bretter (für Schalung von 3 Seiten) 
6 rostfreie Winkel
Schrauben (Spax)

Für das Befestigen der Dachkasten Hölzer wird zunächst die Dachpappe an den seitlichen Rauhspund Kanten herunter geklappt und die Schalungs Bretter dann je seitlich an der Rauhspund Fläche angeschraubt, dadurch klemmt die Dachpappe zwischen der Rauhspund Kante und dem Aufschalungsbretter. Damit der Dachkasten mehr Stabilität bekommt, werden an den Ecken der Aufkanthölzer Winkel angeschraubt.

Traufkante

Der Traufbalken wird an der Vorderseite der Konstruktion, also der Gefälle Seite, gebaut. Dadurch kann über die Traufkante, bei viel Regen, das überschüssige Wasser durch die Drainage Rolle abfließen. Der Traufbalken muss zum Boden hin,  offen sein, sonst könnte das Wasser nicht abfließen. Deswegen muss der Traufbalken auch mit Winkeln an den Ecken zu den Seitenteilen befestigt werden, von inner oder von außen. Weil sich in einigen Jahren ein evtl. verrotteter Traufbalken besser austauschen lässt, habe ich mich für außen entschieden.

Material Liste für Traufkante:
1x (200cm x 10cm x 1,5cm) Holz Brett für Traufkante
2 rostfreie Winkel
Schrauben (Spax)

Weitere Schutzschichten (2. 3. und 4.)

Nachdem die Bitumen Dachpappe verlegt und vernagelt ist (1. Schicht) und der Rahmen (Aufkantung),  kommt die zweite Schutzschicht  mit einer Ebene Vlies. Diese Vliesschicht ist notwendig, weil so die Dachpappe vor der Wurzelschutzfolie geschützt wird und umgekehrt. Folie und Bitumen Dachpappe können aufeinander reagieren und dadurch Löcher oder Risse in der Folie entstehen lassen. Um zu vermeiden, dass die Dachpappe kaputt geht, wird auf die Dachpappe komplett eine Schicht Vlies verlegt. Das Vlies darf nicht an den Innenseiten der Aufkantung hoch geklappt werden, denn sie könnte wie ein Docht wirken und kann so das Wasser nach oben transportieren.

Anschließend folgt als 3. Schicht, die Wurzelschutzfolie, ich habe mich für Teichfolie in 0,5mm Stärke entschieden, das ist bei der Dachgröße völlig ausreichend. Sie wird von innen an der Schalung hoch gezogen und über die Schalung hängen gelassen, sodass sie sich setzten kann und später der Überschuß nahtlos an der Zierleiste abgeschnitten werden kann.

Danach folgt wieder eine Schicht Vlies (4. Schicht), diesen innen nicht hoch klappen. Nicht vergessen, dass die letzte Vlies Schicht an der hohen Seite der Konstruktion überhängt, das ist der Überschuss der für den Einzug für die Drainage Rolle gebraucht wird.

Material Liste für Schutzschichten:	
1. Bitumen Dachpappe ca. 3mm dick - 210cm x 210cm 
2. Vlies ca. 1mm dick - 200cm x 200cm
3. Teichfolie ca. 0,5mm dick - 220cm x 220cm 
4. Vlies ca. 1mm dick - 200cm x 200cm 
5,5mm Gesamhöhe Schutzschichten (ich rechne mit 5mm weiter)

Zierleisten

Im Anschluss an das Verlegen der Schutzschichten, können die Zierleisten (1cm dick) auf genagelt werden, dadurch wird die Dachkasten Konstruktion optisch aufgewertet und die Teichfolien Reste verschwinden. Die gesamte Konstruktion ist verschraubt, um dadurch weitere Stabilität zu erzielen. Die Zierleisten können nur mit Dachpappe Nägeln befestigt werden, weil sie keine statische Funktion haben, sondern nur dem Einklemmen der Teichfolie als Abschluss und der Optik dienen.

Für die Fixierung der Teichfolie muss diese zwischen den Aufschalungs Elementen und den Zierleisten eingeklemmt werden und dann die Leisten mit Dachpappe Nägeln befestigen.  Reste der heraus hängenden Teichfolie können mit einem Teppich Messer bündig abgeschnitten werden, damit der Dachkasten hübsch aussieht. Das Ergebnis ist die fertige Dachkonstruktion mit Schalung und Schutzschichten für das Alpen Gründach, welches hoffentlich lange hält. 🙂

Der Rahmen bzw. die Aufschalung hat folgende Höhen:

Gesamt Schalungs Höhe (Dachkasten Höhe):
145mm Höhe Aufkant Holz - 20mm Höhe Überlappung Rauhspund + 10mm Zierleiste - 5mm Schutzschichten = 130mm Gesamt Höhe Schalung (Dachkasten)

Drainage Rolle & Schicht

Um einen optimalen Abfluss von überschüssigem Wasser zu gewährleisten, ist eine Drainage Rolle und Schicht erforderlich, sie bewirkt dass die Wurzeln der Gebirgspflanzen nicht im Wasser stehen.

Das Vlies der vierten Schutzschicht muss an der hohen Konstruktionsseite (Anstiegsseite) überhängen, denn an der niedrigeren Konstruktionseite (Gefälleseite) wird der Blähton auf dem Vlies verteilt und eingerollt, durch das Einrollen wird der Überhang von der Anstiegsseite eingezogen.

Für die Drainage Schicht wird auf dem Rest der Dachfläche 2cm Blähton aufgeschüttet, um sicher zustellen dass überschüssiges Wasser abfließen kann.

Ca. 15l Blähton sind ausreichend für die Drainage Rolle, sie hat ein Maß von 200cm Länge und ist ca. 12cm breit und 12cm hoch (2400cm2 / 0,24m2). Für die Volumen Berechnung des des Dachkastens ziehe ich zu Anfang die Fläche der Rolle von der Fläche des Daches ab. Das Dach ist 4,2m2 groß, abzüglich der Drainage Rolle 0,24m2 ergibt das wieder aufgerundet 4m2.

Material Drainage Rolle:
ca. 15l Blähton
Höhenermittlung für Substratfüllung:
130mm Gesamt Höhe Schalung (Dachkasten) abzgl. 10mm Kalksplitt als schützende Mulchschicht = 120mm
Gesamt Volumen Berechnung in cm3: Länge x Breite x Höhe 200cm x 200cm x 12cm = 480000cm3 Gesamt Volumen Berechnung in Liter: 40000cm2 x 12cm = 480000cm3 : 1000 = 480Liter Volumen Drainage Schicht 2cm Höhe Blähton x 40000cm2 Fläche = 80000cm3 : 1000 = 80Liter Blähton

Substrat

Jetzt fängt der Spaß erst richtig an, denn nach der Drainage Schicht, erfolgt die Herstellung des Pflanzen Substrats für das Alpen Gründach. Vorteil von Dachsubstraten ist, dass sie leichter sind als übliche Erde und hauptsächlich aus mineralischen Teilchen bestehen, diese können mehr Wasser aufnehmen und speichern als Blumen- oder Gartenerde.

Die Zusammensetzung des Alpen Gründach Substrats sollte 80% Schüttgut mit einem 20% Anteil Humus betragen, Schüttgut kann Blähton, Lava, Perlit und/oder Bims sein und als Humus eignet sich Kokossubstrat, gerade weil man so auf Torf verzichten kann. Wie oben erwähnt ist die Substratdicke zu beachten, denn je dicker, desto mehr Wasser wird gespeichert und desto besser können die Pflanzen durchwurzeln.

Um den Dachkasten mit einer Substrat Mischung zu füllen muss man wissen wieviel Volumen die Gründach Aufkantung fasst, deshalb unbedingt das Volumen berechnen.

Materialien

Perlit ist ein vulkanisches Gestein, das man problemlos der Natur zuführen kann z.B. zur Bodenverbesserung und Kompostierung, Belüftung und Feuchtigkeitsregulierung, daher eignet es sich gut als Pflanzen Substrat für ein Alpen Gründach.

Natürlicher Kokoshumus speichert Wasser und Nährstoffe über einen längeren Zeitraum, deswegen eignet er sich besser für ein Alpen Gründach als herkömmliche Pflanzerde. Er ist rein organisch, torffrei und wird aus den Fasern der Kokosnusshülle gewonnen, hierdurch ist es ein 100% reines Naturprodukt und voll biologisch abbaubar.

Multi Substrat ist aufgebrochener Blähton in Körnung von 2-8 mm, er verhindert dass der Boden verdichtet. Außerdem verhindert es Staunässe und das schnelle Austrocknen des Bodens, der Untergrund bleibt locker und speichert größere Mengen Wasser. Blähtonkörner haben den Vorteil, dass sie strukturstabil und verrottungsfest sind, nicht Schimmeln und Faulen. Wasser und Nährstoffe werden von den Poren aufgebrochener Blähton Körner aufgenommen und geben sie bei Bedarf nach und nach die Wurzeln wieder ab, dadurch können die Pflanzen längere Trockenperioden, ohne Schaden, überstehen.

Eine Volumen Berechnung berücksichtigt die Fläche der Drainage Rolle nicht, da das Dach 4,2m2 groß ist ergibt das eine Fläche abzüglich der Drainage Rolle von 4m2.

Volumen Substrat Berechnung in Liter
480l Gesamtvolumen - 80l Drainage Schicht = 400Liter Volumen Substrat

80 Liter Kokosfaserhumus  
160 Liter Perlit
160 Liter Multi Substrat Pflanzgranulat Körnung 2 - 8mm gebrochen

Pflanzenauswahl

In der Zwischenzeit habe ich vor dem Pflanzen einen Rundgang durch meinen Garten gemacht und mir überlegt welche der Pflanzen für einen sonnigen, trockenen Standort geeignet wären, denn so manch eine Pflanze gedieh im Halbschatten nur mäßig. Nach Abgleich mit Informationen im Internet, entschied ich mich für die Umsiedlung dieser Pflanzen Berg Aster, Haarfedergras, Kriechthymian, Heil Ziest, Sedum Fetthenne, Hauswurz, Kuhschelle und Zwerg Wacholder,  Steinbrech, denn ihr Wuchs nicht so prächtig.

Als Neuzuwachs  hinzugekommen sind:

dickrosettiges Fettblatt / Sedum pachyclados

Garten Thymian Duftkissen / Thymus cherlerioides

Silberdistel / Carlina acaulis

Garten Kissen Aster / Aster dumosus

Berg Sandkraut / Arenaria montana

Katzenpfötchen / Antennaria dioica rubra

Kuhschelle / Pulsatilla vulgaris alba

Alpen silbermantel / Alchemilla alpina

kurzstängeliger Silikat Enzian / Gentiana acaulis

Felsen Steinkraut / Alyssum saxatile compactum

Alpen Edelweiß / Leontopodium alpinum

Hilfreich für die Planzenauswahl war die Webseite einer Gärtnerei in Norddeutschland, www.pflanzmich.de. Bei Bestellungen aus dem Internet ist mir wichtig, dass die Transportwege kurz sind. Der Online Shop “Pflanz mich” erfüllt meine Standortnähe, hat eine große Auswahl und ist fair im Preis.

Bepflanzung

Die ausgewählten Pflanzen habe ich nach Gefühl, so wie es mir am besten gefällt gepflanzt, zur Verdeutlichung habe ich einen Pflanzplan erstellt, siehe unten.

Deko

Für die Dekoration des Pflanzdaches sind im Grunde der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Steine, oder wie bei mir Äste, vervollkommnen das Bild, man sollte nur das Gewicht im Auge behalten. Man kann z.B.  Hummel Pensionen oder Schilfröllchen zum Nisten für Wildbienen aufstellen. Oder einfach ein paar morsche Äste aus dem Wald, die sind relativ leicht, als Dekoelement platzieren.

Dünger

Als Düngung habe ich mineralischen Rhododendron Dünger verwendet, zusätzlich wirkt eine Schicht Kalksplitt als mineralischer Langzeit Dünger. Ab jetzt heißt es gießen und warten, kleine Erfolge sind bereits sichtbar. Da wir in Norddeutschland 2016 einen unglaublich heißen und schönen Spätsommer haben, bekommen die frische gesetzten Alpen Pflanzen einen regelrechten Schub, demnächst blüht wohl noch das Edelweiß.

Fertig ist das Pflanzdach als Biotop für das Wachstum einer Gebirgsflora 🙂

Im Frühjahr 2017, es grünt und blüht:

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