Lehmofen mit Gründach Teil 3 - fertig

Jetzt beginnt der eigentlich spannende und kreative Teil vom Lehmofenbau. Nachdem die Schamotte Steine verlegt sind und der Platzhalter für den Ofenmund vorbereitet ist, kann es mit der Sandform, die den Backraum darstellt, weitergehen. Als Material ist jetzt auf “Lager” Sand, Stroh und Lehmunterputz. In den Mengen wie in Teil 1 “Planung und Bau Lehmofen mit alpinem Gründach Teil 1” beschrieben.

Hinweis: Alles was ich mache, mache ich, wie Ich denke, dass es funktioniert. Profi bin ich nicht.

Lehmofeneingang (Ofenmund) bauen

Den Lehmofeneingang wird mit einer 20cm dicken Lehm-Sand-Stroh Mischung isoliert. Er braucht keine Speicherschicht wie der Backraum, sondern muss nur gedämmt werden. Um eine gute Dämmung zu erreichen wird dem Lehm ordentlich Stroh hinzugefügt und mit Wasser gut durchmischt werden. Mit den feuchten “Strohfladen” kann der Ofenmund dann geformt werden.

Sandform für den Backraum herstellen

Sobald der Eingang gefertigt ist, kann es mit der Backraum Sandform für den Lehmofenbau weitergehen. Auf die Schamotte Steine habe ich Papier, in der Größe der Backraumfläche, ausgelegt und so die Bodenmarkierung hergestellt. In den kleinen Sandhaufen habe ich einen Stock gesteckt,  mit einer Markierung als Meßlatte für die Höhe des Backraumes. Und jetzt fröhlich Sand anhäufen und eine schöne Kugel formen. Man denkt gar nicht wieviel Sand man da so braucht. Es sind etwa 2 Schubkarren voll Sand erforderlich. Es nicht ganz einfach die Sandform Kugel symmetrisch hinzubekommen. Ein gutes Augenmaß ist hier Gold wert. Hier muss vorsichtig gearbeitet werden, denn je nachdem wie warm es ist (bei mir waren es 28°C), trocknet der Sand sehr schnell und wird instabil. Deshalb muss die Sandform nach Fertigstellung, mit feuchtem Papier vor Austrocknung, geschützt werden.

Backraum mit Lehmkugeln bauen (Ofen Speicherschicht)

Nach dem die Sandform fertiggestellt ist, kommt der Backraum. Der Lehmofen Backraum wird mit einem Lehm Stroh Sand Gemisch gebaut. Diese Mischung muss speichernde Eigenschaften haben, warum und wieso erkläre ich hier im ersten Teil. Aus der Lehm Mischung für die Speicherschicht Kugeln in 10cm Durchmesser formen. Die Sandform rund herum mit den Kugeln belegen. Dabei immer drauf achten, dass die Kugeln im Verbund gelegt werden und schön miteinander abschließen.

Lehmofen Isolationsschicht herstellen (Ofen Dämmschicht)

Mit der letzten Kugel oben ist, die Etappe Lehmofen Backraum beim Lehmofenbau, geschafft. Nun folgt die Isolationsschicht. Das ist die Schicht, die dafür sorgt, dass die in den Kugeln gespeicherte Wärme, auch im Ofen bleibt. Für die Dämmschicht muss erheblich mehr Stroh verwendet werden, das nennt man Stroh Zuschlag. Lehmunterputz (Lehm und Sand bereits gemischt) mit Wasser und Stroh in einer Schubkarre mischen.

Ich habe das von Hand gemacht, was ziemlich anstrengend ist, aber es trainiert die Armmuskeln. Jetzt sieht der Lehmofen aus wie ein Igel.

Erste Trocknung und Einbrennen

Nachdem die Isoschicht aufgebracht ist, sollte der Ofen trocknen. Ich habe den Sand erstmal noch vier Tage darin gelassen, mich aber dann entschieden ihn zu entfernen. Meine Sorge war, dass die Kugeln nicht halten ohne Sand, da sie noch feucht waren. Aber, die Kugeln haben gehalten. Noch weitere 4-5 Tage ließ ich den Ofen so trocknen. Wenn man aber wie ich in einer Gegend wohnt, wo es im Juni dauernd regnet und die Temperaturen 18°C kaum überschreiten, dann kann man lange warten bis der Ofen trocken ist. Ich überlegte mir, dass ein kleines Trocknungsfeuer nicht schaden  könnte. Also begann ich zu zündeln, um den Ofen, der bisher nur mit Speicher- und Dämmschicht ausgestattet war, auszutrocknen. Dazu entfachte ich ein kleines Feuer und wiederholte den Vorgang an zwei aufeinander folgenden Tagen.

Das Feuer am dritten Tag entglitt mir ein wenig. Irgendwie kam es zu einem etwas größerem Feuer das im Lehmofen eine Temperatur von 760°C erzeugte. Die neue Laserpistole zur Temperaturmessung ist das perfekte Tool dafür. Mir erschien es sinnvoll, den relativ trockenen Lehmofen jetzt schon einzubrennen. Weitere Rest Feuchtigkeit drückte durch die Strohschicht nach oben durch und der Ofen dampfte regelrecht.

Sechs Stunden brannte das Feuer und die Backraum Kugeln wurden hart und rötlich. Keine der Kugeln riss und der Backraum war nach dem Feuer schön klar, sämtlicher Ruß war verbrannt.

Für die Feuerung ist es wichtig, zunächst ein kleines Feuer am Ofenmund zu entfachen, dieses dann sukzessive zu vergrößern und nach hinten schieben. Als Werkzeug eignet sich hier ein Ascheschieber und ein Messingbesen.

Lehmofen verputzen Schicht 1 – Basisputz

Das erste Feuer hat den Ofen komplett getrocknet und den Backraum eingebrannt. Weshalb ich die Oberfläche für das Verputzen wieder anfeuchteten musste. Das dient der Haftung, umso besser verbindet sich die vorhandene und die neue Lehmschicht. Nachdem der Putz aufgebracht ist, kann die Oberfläche mit nassen Händen schön geschmeidig gemacht werden.

Wichtig für das Verputzen ist, dass der Basis Putz und der Feinputz, wenn möglich in einem Arbeitsgang durchgeführt wird, damit sich die Schichten gut miteinander verbinden.

Verwendetes Material für den Basis Putz: Conluto Lehmunterputz. In einer Dicke von ca. 3-5cm.

Konsistenz: festerer Brei glänzend

Lehmofen verputzen Schicht 2 – Feinputz

Auf den noch feuchten Basisputz sofort den Feinputz aufbringen und mit einer Kelle glatt verspachteln. So sieht der Lehmofen gleich aus wie ein Baby Popo 🙂

Verwendetes Material für den Fein Putz: Conluto Lehmoberputz. In einer Dicke von ca. 2cm

Konsistenz: flüssigerer Brei als der Basis Putz, ähnlich wie Quark

Probleme und Lösungen

Die Sache mit dem Ofenrohr beim Lehmofenbau

Problem: 50cm Ofenrohr und ein Abstand zum Holzdach von 45cm war zu wenig. Fast wäre mir das Dach abgebrannt.

Lösung: Ein 90° Winkel Ofenrohr aufgesteckt in einen dicken Lehmmantel eingepackt.

Auch wenn das Problem mit der Hitze aus dem vertikalen Rohr jetzt entschärft ist, plane ich, nach dem vollendeten Trocknungsprozess, das Ofenrohr noch zu verlängern.

Trocknungs Haarrisse

Problem: Risse im Putz. Haarrisse, die beim Trocknen entstehen stellen so erstmal kein großes Problem dar, sollten allerdings bearbeitet werden.

Lösung:

Während des Trocknens habe ich die feinen Haarrisse die am Enstehen waren feucht bepinselt. Die Fläche wo der Riss entstand sozusagen dauerhaft feucht gehalten. Warum? Weil ich erinnerte, das Fundament unseres Hauses wurde für die Austrocknung feucht gehalten. Logisch je schneller etwas trocknet desto schneller zieht sich Masse zusammen und es können Risse entstehen. Also habe ich die Stellen wo Haarrisse entstanden, das merkt man relativ schnell, genaue Beobachtung vorrausgesetzt, feucht gehalten. Mit einem Pinsel und Lehmwasser habe ich die “Problemstellen” bepinselt, um so die entprechende Stelle zu entspannen.

Für tiefere Risse empfiehlt sich mit einem spitzen Werkzeug den Riss keilförmig etwas zu vergrößern. Die Fläche mit einem Pinsel und Lehmwasser anfeuchten und frischen Lehmputz aufzutragen.

Diese Rissreparaturen hatten zur Folge, dass ich den Ofen ein zweites Mal verputzt habe, denn die Aubesserungsstellen sehen nicht so hübsch aus.

Das finale Einbrennen

Wichtig, für so ein Holzofenfeuer sollte nur Laubbaum Holz verwendet werden, das harzt nicht so wie Nadelholz. Und um das Feuer Anzuzünden verwenden die Italiener in Ihren Pizzaöfen Weidenholz. Praktisch, wenn man wie ich Weiden im Garten hat. Weidenhölzchen und Buchenholz sind meine Ressourcen.

Das Einbrennen hat geklappt und es sind keine weiteren Risse entstanden 🙂

 

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