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Ein Leben ohne Plastik?

Wäre schön, hundertprozentig machbar sicherlich nicht, aber man könnte sich in eine plastikfreie Lebensweise orientieren / entwickeln. Das plastikfrei Motto, in dem man sich den Plastik Konsum mal bewusst macht und sich fragt, welche Dinge unseres alltäglichen Lebens bestehen aus Kunststoff? Was ist alles [unnötig] in Plastik verpackt? Welche Produkte enthalten Plastik?  Wieviel Plastik konsumiere ich? Wie wird Kunststoff kenntlich gemacht? Welche Arten von Kunststoff gibt es? Inwieweit ist Plastik schädlich/ungesund? Was kann ich tun?

Wenn viele, viele Menschen sich den Plastik Konsum mal bewusst machten und den Verzicht auf Plastik antreten würden, dann gäbe es einen kleineren Markt für dieses chemikalische Gemisch und das wäre ein unglaublicher Gewinn für unsere Erde.

Die Nativen Amerikaner (Indianer) glaubten, dass die Erde nicht den Menschen gehöre, sondern die Menschen der Erde. Das alle Dinge miteinander verbunden sind, nicht der Mensch das Leben erfunden hat, sondern nur ein Teil davon ist. Alles was mit der Erde passiert, wir auch den Menschen widerfahren. “Die Erde ist unsere Mutter”, so pflegten die Indianer sie in ihrer Kultur. Die Erde als Mutter, den Himmel als Vater.

Wenn wir uns endlich bewusst machen, dass es uns ohne die Erde nicht gäbe, würden wir vielleicht sorgsamer und respektvoller mit ihr umgehen. Nicht der Profit wäre dann das Maas aller Dinge, sondern das bewusste [er]leben. Ich befinde mich seit längerem in diesem Prozess durch Tierschutz, Umwelt- und Naturschutz, Bio und Öko. Da war es eine logische Konsequenz, den Plastik Konsum unter die Lupe zu nehmen.

Wo haben wir es mit Plastik zu tun?

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Es ist unglaublich wieviele Dinge aus Kunststoff produziert sind, in Kunststoff verpackt und Kunststoff enthalten. In Körperpflege- und Kosmetik Produkten, Bekleidung (Fleece und Funktionskleidung), Computer Peripherie, Möbeln, Elektrogeräten, Küchenhelfern, Lebensmitteln, Backformen, Pfannen und Töpfen, Kochlöffel und Besteck, Fressnapf vom Haustier, Gefrier- und Frischhaltetüten, Deckeldichtungen, Kochlöffel, Kartoffelstampfer, Teigroller, Gefriertüten, Aufbewahrungsbehältnisse, Frischhaltefolie, Wäschklammern,  Wäschekorb, Getränke usw. Nicht zu vergessen die ganzen Behältnisse in der Küche um Lebensmittel aufzubewahren und zu verarbeiten, dazu zählt auch Tupperware! Auch in der Industrie werden sog. Kunststoff Pellets hergestellt und verarbeitet, die dabei entstehenden Abwässer enthalten kleine Plastik Kügelchen die in unsere Gewässer gelangen und diese damit dauerhaft belasten.

Wer sich das mal vor Augen führt begreift, dass das auf Dauer nicht gut sein kann. Wir sollten uns vom Plastik befreien. Plastik ist die allgegenwärtige Verpackung, viele Kleinstprodukte sind in viel zu große Plastikverpackungen eingeschweißt, z.B. USB Sticks, Zahnbürsten.  Aber auch bei Lebensmitteln wie frisches Obst & Gemüse, Milchprodukten und das komplette haltbare Sortiment im Supermarkt von Brot, Wurst, Fisch und Käse, Innenbeschichtungen von Getränken- und Konservendosen, Tetra Paks, ja selbst Papier Werbung gibts in Plastikfolie verpackt. Auch die Landwirtschaft hat Plastik als Verpackung für sich entdeckt, so werden Heu und Strohballen nach der Ernte in Plastik eingeschweißt.

In Plastik verpackte Lebensmittel und Drogerie Artikel enthalten häufig auch noch viel Luft, was zu einer größeren Verpackung führt. Damit stellen diese Produkte eine noch größere, unnötige Umweltbelastung dar. Die Verbraucherzentrale hat durch Röntgen das Verhältnis von Verpackung und Inhalt getestet, nachzulesen in dem Artikel “Viel Luft um nichts”. Es ist erschreckend wieviel “luftige” Verpackungen es gibt. Die Verbraucherzentrale informiert regelmäßig über die “luftige Mogelpackung”.

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Kaffeeautomaten Kapsel Kultur

Besonders perfide ist auch die neue Kaffeeautomaten Kapsel Kultur, hier hat Nestle einen Coup gelandet, indem sie Kaffee portionierten (ca. 6g / Kapsel) und mit dem Luxusgedanken verknüpfte, sodass der Verbraucher ein Gefühl von Luxus bekommt. Und es ist tatsächlich ein Luxus, sich herkömmlichen Kaffee zu einem Preis von 60€/Kilo zu gönnen. Da ist feinster, Fair Trade Bio Kaffee, schonend geröstet, für 12€/Kilo ein Schnäppchen! Und wenn man bedenkt, das jede dieser Kaffee Kapseln mehr Verpackung als Inhalt besitzt, dann ist das meiner Meinung nach eine unglaubliche Ressourcenverschwendung und wie immer auf Kosten der Natur und nicht zuletzt den Menschen die auf dieser Erde leben.

Luxus und Dekadenz stehen häufig vor umweltbewusstem Denken. Denn wenn die Verbraucher sich bewusst machten, dass bei über 2 Milliarden Kapseln die pro Jahr in Deutschland verkauft werden, über 4.000 Tonnen Plastik- und Aluminiummüll entstehen, dann würde wohl so manchem der Kaffee im Hals stecken bleiben. Besser ist es also den Kaffee klassisch in Filtertüte zuzubereiten, auch das kann man zelebrieren, und später den Filter samt Kaffeesatz kompostieren. Kaffee ist übrigens ein guter Dünger für Pflanzen.

Plastik im Bio Markt

Wer glaubt der Bio Markt ist plastikfrei, der irrt. Es findet sich hier sogar die schlimmste der Plastiktüten, diese hauchdünnen, aufgerollt, zum abreißen, mit Tragegriff. Ist vielleicht praktisch und günstig, ABER es handelt sich um sehr dünnes Kunststoff Material, durch Abrieb können sich leicht kleine Plastik Teilchen ablösen, am Lebensmittel anhaften und damit in unseren Körper gelangen.  Außerdem ins Abwasser und in unseren Trinkwasser Kreislauf. Immerhin gibt es in den Bio Märkten wo ich unterwegs bin immer die Papier Tüte, das bieten die Edekas, Rewes, Aldis, Lidls usw. nicht.
Wenn man sich im eigenen Haushalt mal so umschaut, dann findet man dort auch wirklich viel Kunststoff, von plastikfrei kann gar keine Rede sein. Plastik ist ÜBERALL!  Nicht immer, aber oft, gibt es eine natürliche, ressourcenschonende Alternative.

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Plastik Objekt der 80er Jahre

Ist Plastik schädlich / ungesund?

Schädlich JA, für die uns und die Umwelt. Die Belastung der Gewässer (Ozeane, Flüsse, Seen) und die Haltbarkeit von Kunststoffen sollte mittlerweile hinreichend bekannt sein. Plastikmüll wird im Meer entsorgt, auf Mülldeponien geschmissen oder in die Erde vergraben. Es ist ein Wunsch Traum die Meere wären plastikfrei, sie sind es aber nicht und sie werden es auch nie wieder sein, sie sind voll mit Mikroplastik Müll. Kleine Kunststoffkügelchen mit einer Abmessung von <5mm. Man unterscheidet sie zwischen primären und sekundären Mikrosplastik Teilchen.
Primäre Mikroplastik Teilchen sind die, welche schon von der Industrie als Kleinpartikel produziert werden z.B. für Fleece und Funktionskleidung. Beim Waschen lösen sich die Mikro Teilchen und geraten ins Abwasser. Waschmaschinen Filter und die meisten Klärwerke können sie nicht filtern und damit gelangen sie in den Trinkwasser Kreislauf.
Sekundäre Mikroplastik Partikel sind die Teilchen die durch den Zerfallsprozess von größerem Plastik in der Umwelt entstehen. Sie entstehen durch Witterung und mechanische Einwirkungen von größeren Objekten. Quelle: www.mikroplastik.de
Als ob das nicht schon genug wäre, sind da auch noch die Weichmacher wie z.B. Phthalate und Bisphenol A. Diese Weichmacher sind Chemikalien, die in zahlreichen Plastik Produkten enthalten sind, z.B. in Lebensmittelverpackungen und Getränkeflaschen bis zu Baby- und Kinderspielzeug. Der Weichmacher Bisphenol A (BPA) wurde ursprünglich als künstlicher Ersatz für das Hormon Östrogen entwickelt, er ist ein hormonell wirksamen Stoff, der den Hormonhaushalt des Menschen empfindlich stören kann. Weichmacher haben die Eigenschaft auszugasen, d.h. sich beim Kontakt mit Flüssigkeiten oder Fetten auszulösen. Die Weichmacher können in Lebensmittel eindringen, deren Zusammensetzung verändern und sich nachteilig auf unsere Gesundheit auswirken.  Fett löst die Weichmacher aus dem Plastik heraus und so gelangt er in das Produkt. Dies gilt für alle fetthaltigen Produkte, z.B. Käse, Wurst, Milchprodukte. Auch Konservendosen sind innen mit einem BPA-haltigen Stoff beschichtet, sowie die Verpackungen von geschnittenem ToGo Obst und Salaten aus dem Supermarkt sowie zahlreiche Produkte für Babys und Kinder. Es ist schon fast unglaublich in welchen Produkten sich Plastik und Weichmacher Rückstände nachweisen lassen. In Kosmetik- & Körperpflegeprodukte, Bier und Mineralwasser, Trinkwasser, Duschgel, Zahnpasta, Honig, Weichkäse, Butter, ja sogar im Regenwasser konnte Plastik nachgewiesen werden. In Olivenölen, weil die Gießhilfe aus Kunststoff besteht, der Weichmacher enthält.  Besonders zu erwähnen wären die giftigen Thermopapiere, die z.B. als Kassenbons, Flug- und Bahntickets und Quittungen zum Einsatz kommen. Sie sind mit dem Weichmacher Bisphenol A (BPA) beschichtet, fasst man dieses Thermopapier an, kann das giftige BPA über die Haut in unseren Organismus gelangen. Hat man den Kassenzettel angefasst und isst danach etwas, isst man sozusagen das giftige BPA gleich mit und steigert damit ein gesundheitliches Risiko. Die Risiken und möglichen Schäden für die Gesundheit sind vielfältig. Mehr zum Thema unter: https://www.zentrum-der-gesundheit.de/bisphenol-a-in-kassenzetteln-ia.html

Mögliche Folgen für die Gesundheit durch Plastik im Körper  sind, Übergewicht, Diabetes, Asthma, Atemwegserkrankungen, Unfruchtbarkeit bei Männern, Veränderungen im Gehirn, Krebs, Herz- und Lebererkrankungen. Das belegen wissenschaftliche Studien, aber wie immer gibt es für jede Studie welche die Schädlichkeit der Kunststoffe bestätigt, wieder eine “Gegen”-Studie – bezahlt von der Industrie – die angeblich das Gegenteil beweist. Das scheint gängige Praxis zu sein um Kritiker und Wissenschaftler doof da stehen zu lassen, oft mit Unterstützung der Politik und Presse. Was mir, und uns bleibt, ist der normale Menschenverstand und die Logik. Warum sollte ein Unternehmen, dass mit diesen Stoffen Geld verdient, zugeben wollen, dass die Stoffe schädlich sind? Da wäre man doch schön blöd, am eigenen Ast zu sägen? Plastik, als universell, einsetzbaren Stoff in den Himmel zu heben, ist die Strategie. Wenn aber man mal die vielen, am Plastik verendeten Seevögel auf den Galapagos Inseln gesehen hat, dann kann man eins und eins zusammen zählen. Plastik in Umwelt und Körper ist nicht gut, Basta!

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Haushaltshelfer aus Holz. Um lange Freude an den Produkten zu haben, empfielt es sich diese mit warmen Leinöl zu behandeln. Ab und an wiederholen.

Welche Arten von Plastik gibt es?

Polyethylen PE, Polypropylen PP, Polyethylenterephthalat PET, Polyester PES, Polyamid PA, Polyurethan PUR, Polyimid PI, Ethylen-Vinylacetat-Copolymere EVA, Acrylates Copolymer AC, Acrylates Crosspolymer ACS, Polyquaternium-7 P-7
Eine vollständige Liste der Kunststoff Codes gibts auf Wikipedia. Es handelt sich hier um sog. Recyclingcodes, sie dienen der Kennzeichnung der Kunsstoffe, für die Rückführung in den Wiederverwertungskreislauf (Recycling). Und der BUND beschreibt im Artikel “Schadstoffe in Plastik – Augen auf beim Plastikkauf!” wie man über die Recylingcodes auf den Verpackungen erfahren kann um welchen synthetischen Kunststoff es sich handelt und welche Schadstoffe er enthält. Sehr interessant ist auch die Publikation des BUND “Achtung Plastik! Chemikalien in Plastik gefährden Umwelt und Gesundheit.”
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Haushaltshelfer aus Holz, Bambus, Naturborsten und Leder

Die Erde plastikfrei, geht das? Kann ich mein Leben plastikfrei gestalten?

Nein, die Erde bekommen wir nicht mehr plastikfrei, wir sind von Plastik umgeben und der synthetische Kunststoff hat keine Halbwertszeit! Er zersetzt sich nur langsam, bis man ihn nicht mehr sehen kann, dann sind die Teilchen (Mikroplastik) aber immer noch da und so eine Bedrohung für die Umwelt und Gesundheit. Plastikfrei ist eine Utopie. Trotzdem kann jeder ein bisschen dafür tun, dass es nicht noch schlimmer wird, aus Respekt vor unserer Erde und dem Willen sie zu erhalten. Also Lebensweise ändern, Kunststoff kritisch betrachten und den Plastik Konsum einschränken. Plastikfrei denken, nach und nach – soweit möglich – das Plastik aus dem Haushalt eliminieren. Plastikfrei – frei machen vom Plastik – fühlt sich gut an.

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Old School Wäschekorb und Wäscheklammern aus Holz

Regelmäßig informieren – Dank dem Internet – zum Beispiel “Produktlisten, Lebensmittel in denen Plastik nachgewiesen ist” vom BUND oder der Greenpeace Ratgeber “Tipps ums Plastikmüll zu vermeiden”

Alternativen suchen z.B Holz und Flechtwaren nutzen. Alternativen findet man jede Menge, man muss sich nur die Zeit nehmen, etwas recherchieren, nachlesen und den Haushalt plastikfrei gestalten wollen. Den alten Wäschekorb, zum Beispiel, habe ich von Tante Claire, nie fühlte es sich besser an die Wäsche aus dem Flechtkorb mit Wäscheklammern aus Holz, draussen aufzuhängen. Wachstücher herstellen, als Ersatz für Frischhaltefolie – “Anleitung Wachstuch / Wachspapier – plastikfrei”. Old School Feelings, die man genießen kann 🙂 Es kann Spaß machen die “Plastikfrei Strategie” zu verfolgen.

Plastikfrei shoppen zum Beispiel in einem sogenannten “Lose Laden”, dort werden sämtliche Produkte des täglichen Bedarfs sind unverpackt, lose und plastikfrei angeboten. Die Betreiber verzichten vollständig auf Einmal-und Kunststoffverpackungen und reduzieren damit die täglich anfallende Abfallmenge. Demnächst wird einer dieser Läden in Hannover eröffnet – LoLa Hannover

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Jute Taschen, Papiertüten und Flechtkörbe als Transport Alternative zu Plastik. Jute statt Plastik! Recycling statt wegwerfen!
Plastikfrei Alternativen - Naturkunststoff Produkte
Naturkunststoff Produkte verschiedener Hersteller

Plastikfrei aber trotzdem Plastik, Naturkunststoff NaKu! Wer, wie ich schwer auf Gefriertüten verzichten kann, hat hier mit Naturkunsstoff eine gute Alternative. Eine österreichische Firma produziert Naturkunststofftüten, die zum Einfrieren geeignet sind. Außerdem bieten mittlerweile viele weitere Hersteller Naturkunststoff Produkte an, Produkte die dem  herkömmlichen Kunststoff ähneln, aber aus anderen Werkstoffen hergestellt sind und somit “plastikfrei” sind. Rohstoffe  wie Maisstärke, Kartoffeln, Mais oder Getreide dienen der Erzeugung. Diese Werkstoffe sind konventionellen Kunststoffen sehr ähnlich und lassen sich daher mit den selben Technologien und Maschinen verarbeiten. Bioplastik als Lösung? Mehr zum Thema auf Plastikcontrol.de

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News: Manchmal sind uns die Amerikaner auch ein Stückchen voraus, so ist in 6 U.S. Bundesstaaten Mikrosplastik Kügelchen in Kosmetikprodukten verboten. Kalifornien kommt jetzt als siebter hinzu und verbietet die gefährlichen Mikrosplastik Teilchen. Quelle: https://news.utopia.de/kalifornien-verbietet-mikroplastik-kosmetikprodukten/

Produkte die ich bisher ausgetauscht habe, die in meiner Küche jetzt plastikfrei sind: Kochlöffel, Kartoffelstampfer, Teigroller, Steakmesser, Gefriertüten, Aufbewahrungsbehältnisse, Fliegenklatsche, Frischhaltefolie, Wäscheklammern,  Wäschekorb, Einkaufstaschen, Getränke, Lappen, Schwämme, Bekleidung, Zahnbürste, Küchenmesser, Bügelbrettbezug. Ich würde mich über Zuschriften und Vorschläge zu dem Thema freuen. Ich hoffe ich konnte mit meinem “Plastikfrei” Artikel jemanden zum Nachdenken anregen, um unsere Umwelt plastikfrei zu machen

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